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Spiegeltherapie

Spiegeltherapie

Posted by Bernd Balling in Geriatrie

Spiegeltherapie

„Es steckt nicht im Spiegel, was man im Spiegel sieht.“
Trotzdem wird in der Spiegeltherapie der Spiegel dazu benutzt, eine Illusion mit positiver
Wirkung zu erzeugen. So lassen sich beispielsweise mithilfe solcher „Spiegelillusionen“ im
Rahmen der Spiegeltherapie Schmerzen lindern.

Nach einem Schlaganfall ist häufig eine Körperseite des Betroffenen gelähmt. Die Spiegeltherapie soll helfen, dass sich die betroffene Seite durch Veränderungen im Gehirn wieder bewegt.

Was ist Spiegeltherapie?

Die Spiegeltherapie ist eine ergänzende Therapieform, bei der die nicht betroffene Körperseite des Patienten über einen Spiegel beobachtet wird. Die betroffene Seite befindet sich hinter dem Spiegel. So werden dem Patienten die Bewegungsabläufe der nicht betroffenen Seite als die der betroffenen Extremität dargestellt.

Die Spiegeltherapie ist u.a. auf die Bedürfnisse von Patienten mit Halbseitenlähmung (Hemiparese, Hemiplegie) zugeschnitten.

Die Spiegeltherapie, zählt zu den sogenannten Imaginationstherapien. Sie wurde erstmals
1996 von V. S. Ramachandran und Diane Rogers- Ramachandran beschrieben. Sie
beobachteten bei Patienten mit amputierten Gliedmaßen, während diese mit einem Spiegel
übten, Sensationswahrnehmungen in der amputierten Extremität, die sich positiv auf den
Phantomschmerz auswirkten.

Heute macht man sich diese Erkenntnis auch bei Patienten nach Schlaganfall und Patienten mit komplexen regionalen Schmerzsyndrom (engl.: complex regional pain syndrome, kurz: CRPS) erfolgreich zunutze.
Ziele der Therapie sind unter anderem eine bessere Schmerzkontrolle und eine mögliche Reduktion der medikamentösen Schmerztherapie.
Das Gehirn wird getäuscht. Bei der Spiegeltherapie wird der Patient so vor einem Spiegel platziert, dass die
betroffene Gliedmaße verdeckt wird. Der Patient beobachtet im Spiegel ein Abbild seiner vorhandenen gesunden Extremität.
Darüber wird die optische Illusion vermittelt, ein amputierter Körperteil sei noch vorhanden oder ein schmerzhafter
und bewegungseingeschränkter Körperteil sei normal funktionsfähig. Durch jetzt durchgeführte Übungen mit der gesundenGliedmaße entsteht im Gehirn derEindruck, dass die betroffene Seitewieder normal bewegt und kontrolliert
werden kann. Diejenigen Areale im Gehirn, die für die Schmerz- und Missempfindungen in der betroffenen
Gliedmaße verantwortlich sind, werden dabei moduliert.
Das Spiegelbild ermöglicht „geistige“ Restrukturierung. Schmerzen entstehen im zentralen Nervensystem über sehr komplexe Vernetzungen. Die Wahrnehmung von Körperbewegung und -lage im Raum bzw. der Lage/Stellung einzelner Körperteile zueinander, mechanische Eindrücke von Haut, Muskeln und Organen, dieWahrnehmung eigener Bewegung, sowie visuelle Wahrnehmungen, werden im Gehirn Durch einen geschickt platzierten Spiegel sieht es für den Patienten so aus, als sei die Spiegelung des gesunden das amputierte Körperglied. Dieser optische Eindruck ruftim Gehirn eine Erinnerung an den fehlenden Arm oder das Bein wach. Es hört auf, die nicht mehr vorhandenen
Eingangssignale aus den Nerven der betroffenen Extremität durch Schmerz zu ersetzen.

Spiegelneuronen

sind Nervenzellen, die im Gehirn beim Betrachten eines Vorgangs das gleiche Aktivitätsmuster aufweist, wie es entstünde, wenn dieser Vorgang nicht bloß (passiv) betrachtet, sondern selbst (aktiv) durchgeführt würde. Auch Geräusche, welche mit bestimmten Handlungen assoziiert sind, verursachen bei einem Spiegelneuron dasselbe Aktivitätsmuster, welches die aktive Handlung verursachen würde.
Spiegelneurone benötigen wir auch, um zulernen. Wir beobachten die Handlung einer beispielsweise der Eltern und imitieren dieses Verhalten. Auch die Fähigkeit des Mitfühlens, also unsere Reaktion auf die Gefühle anderer
(z.B. Trauer, Schmerz) basiert u.a. auf denSpiegelneuronen. verarbeitet und gespeichert und sind
ausschlaggebend für unsere eigene Körperwahrnehmung und motorische Kontrolle. Bei Patienten mit chronischen Schmerzen, Zustand nach Amputationen oder auch mit Lähmungen zeigt sich eine Veränderung der entsprechenden Bereiche im Gehirn in Form von Fehlbelegungen und Überlappungen, die zu Wahrnehmungsstörungen,
„Lernen des Nichtbenutzen“-Phänomenen oder Ähnlichem führen. Die Bereiche im Gehirn, die bei der Ausübung bestimmter Bewegungen beteiligt sind, können bereits bei der Bewegungsvorstellung bzw. durch beobachten von Bewegungen aktiviert werden. Voraussetzung hierfür sind sogenannte Spiegelneurone (siehe Kasten).
Für das Gehirn stellt es also keinen Unterschied dar, ob eine Bewegung aktiv durchgeführt,sie nur beobachtet wird oder ob man sie sich lediglich vorstellt. Darüber hinaus ist das Gehirn in der Lage, bereits erlernte Bewegungen, die verloren gegangen sind, neu zu erlernen. Es kann sich reorganisieren, dabei werden beispielsweise im Fall von
Schlaganfallpatienten Aufgaben von anderen Zellen übernommen. Schmerzabnahme und Bewegungszunahme
Bei Patienten mit CRPS, mit Phantomschmerzen, Patienten nach Schlaganfall wird dieses Phänomen in der Spiegeltherapie ausgenutzt. So kann bei Schmerzpatienten die veränderte Körperrepräsentation der betroffenen Extremität im Gehirn positiv beeinflusst werden. Durch die Spiegeltherapie, aber auch durch ein intensiveres
„Beüben“ der betroffenen Seite (hinter dem Spiegel oftmals für den Patienten gar nicht als
Training der betroffenen Extremitätwahrgenommen), kann bei den Patienten die im Gehirn veränderte Wahrnehmung der Extremität wieder ein Stück weit normalisiert werden. Beispielsweise lernt der Patient in der
Spiegeltherapie entweder sein Phantomglied und den damit verbundenen Schmerz zu
kontrollieren oder eben seine durch CRPS deutlich bewegungseingeschränkte Extremität wieder zu bewegen und dadurch auch die Schmerzempfindung zu reduzieren.
Welche Form der Spiegeltherapie sich für den einzelnen Patienten eignet, muss individuellmit dem Patienten erprobt werden. In jedem Fall muss die Spiegeltherapie in der Anfangsphase durch einen erfahren Therapeuten (meist einem Ergo- oder Physiotherapeuten) durchgeführt werden. Er leitet den Patienten an und begleitet ihn in die Illusion. Die Unterstützung durch den Therapeuten sollte im Verlauf des Trainings schrittweise reduziert werden und wenn möglich zu einem späteren Zeitpunkt eventuell sogar ohne Spiegel weitergeführt werden, als freies mentales Training. Eingeleitet muss sie Bildliche Erklärung der Spiegelterapie bei der die amputierte Hand des Patienten durch die gesunde gespiegelt wird (das Spiegelbild ist etwas heller dargestellt), sodass der Patient das Gefühl hat er
hätte wieder zwei Hände durch einen Arzt werden, der den Patienten auch während der Therapie und gegebenenfalls
darüber hinaus begleitet.
Der Patient ist aktiv beteiligt Die Hauptaufgabe für den Patienten besteht darin, sich auf die durch den Spiegel erzeugte Illusion einzulassen. Dabei ist seine Konzentrationsfähigkeit entscheidend für den Erfolg. Die meisten Schmerzpatienten können sich etwa 20 Minuten so intensiv konzentrieren, dass sie die Illusion zulassen. Regelmäßiges Üben und Umsetzen eines individuellen Eigenübungsprogrammes außerhalb der begleiteten Spiegeltherapie ist unbedingt notwendig, um mit der Illusion umgehen und sie integrieren zu können. Neben der
Imaginationsfähigkeit, der Konzentrationsfähigkeit bedarf es also auch der notwendigen Eigenmotivation des Patienten.
Mittels Spiegeltherapie können unter anderem eine bessere Schmerzkontrolle und eine mögliche Reduktion der medikamentösen Schmerztherapie erreicht werden. Bei Patienten mit einem CRPS wird zudem eine Normalisierung der Körperwahrnehmung angestrebt, beziehungsweise bei Patienten mit Phantomschmerz nach Amputation auch eine angepasste Körperwahrnehmung.

 

Therapieverlauf

Der Spiegel wird in der Körpermitte des Betroffenen auf einem Tisch platziert und die geschwächte Körperpartie hinter dem Spiegel gelagert. Der Patient schaut in den Spiegel und sieht das Spiegelbild der nicht betroffenen Seite. Dies soll bei dem Betroffenen den Eindruck erwecken, dass es sich bei dem Spiegelbild um die betroffene Körperhälfte handele. Der Spiegel soll das Gehirn täuschen. Dieses Verfahren muss in einem reizarmen Raum (keine Bilder, Fenster) stattfinden und wird als Einzeltherapie durchgeführt, um die Aufmerksamkeit vollständig auf den Spiegel zu lenken. Die Spiegelgröße soll keinen Blick auf die andere Körperseite ermöglichen und größere Bewegungsabläufe gut sichtbar machen. Eine gute Standfestigkeit des Spiegels ist ebenfalls von enormer Wichtigkeit.

 

Ziele

Ein Ziel ist die Aktivierung der betroffenen Körperhälfte. Dabei wird im Gehirn die Illusion geweckt, dass die betroffene Seite sich ebenso bewegt wie die andere Körperhälfte. Des Weiteren kann über die konkrete Vorstellung, dass sich z.B. der schwächere Arm wieder (besser) bewegt, eine Veränderung im Gehirn hervorgerufen werden.

 

Ausschlusskriterien

Personen, die Anweisungen nicht sinnvoll umsetzen oder sich nicht gut konzentrieren können, sind für diese Therapieform ungeeignet. Eine Aphasie muss kein Hinderungsgrund sein, wenn die betroffenen Personen z.B. durch Imitationen (Nachahmungen) kommunizieren können. Ob ein Neglect (Störung der Aufmerksamkeit) eine Barriere darstellt, ist noch nicht hinreichend geklärt.

 

Wirksamkeit

Einzelberichte von Betroffenen und Therapeuten liefern oftmals ein positives Feedback. Jedoch kann die Spiegeltherapie keine ausgeprägte Lähmung heilen

 

Weitere Anwendungsgebiete:

Außer bei Amputationen wird diese Methode auch bei CRPS, Schlaganfall, Lähmungen und Wahrnehmungsstörungen angewandt.

16 Jun 2015 1.766 comments